Grundsätzlich war der Lehrmittelbereich in der DDR zentral und ab den 1970er Jahren nach Unterrichtsfächern organisiert. Das 1950 gegründete „Zentralinstitut für Film und Bild in Unterricht, Erziehung und Wissenschaft“ war zuständig für Schule, Berufsschule und Hochschule. Die Aufgaben des Zentralinstituts waren vielfältig. Zu ihnen gehörten die Planung, Produktion und Prüfung von Filmen, Lichtbildern, Schallplatten und Tonbändern, das Erteilen von Forschungsaufträgen und die Erarbeitung von Richtlinien zum Medieneinsatz. Zusätzlich führten die Institutsmitarbeitenden Fortbildungsveranstaltungen für Lehrende durch.
In den folgenden Jahrzehnten erfolgten mehrere Umstrukturierungen und Namensänderungen. So wurde 1964 zunächst die Unterrichtsfilmproduktion für das Hoch- und Fachschulwesen ausgegliedert und als „Institut für Film, Bild und Ton“ neu institutionalisiert. Sechs Jahre später, 1970, wurde dann mit der Gründung der „Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR“ (APW; → Pädagogische Leitinstitutionen) ein Institut für Unterrichtsmittel eingerichtet, das bis zum Ende der DDR bestand. Im selben Jahr wurde auch die „Zentralstelle für Rationalisierungsmittel der Lehreraus- und -weiterbildung“ an der Pädagogischen Hochschule Erfurt eingerichtet, die analog zur APW Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Bereich Lehrerbildung übernahm.
Die Unterrichtsfilme wurden in Zusammenarbeit mit Fachdidaktiker*innen (→ Fachmethodiken) und Wissenschaftler*innen im Studio für populärwissenschaftliche Filme oder im Studio für Dokumentarfilme der staatlichen Filmgesellschaft DEFA (Deutsche Film AG) der DDR in Babelsberg hergestellt. Filmträgermaterial der DDR-Unterrichtsfilme, das heißt für den Unterricht an DDR-Schulen hergestellte und zugelassene Unterrichtsfilme, war zumeist 16mm-Azetatfilm (seltener 8mm). Die Unterrichtsfilme variieren in ihrer Länge von 4 bis zu 10 oder gar 15 Minuten und mussten von den Lehrkräften in die Unterrichtsstunde eingebunden werden. Zur Unterrichtsvorbereitung sollten sie die zu jedem Film herausgegebenen Beihefte nutzen.
Der Unterrichtsfilm im Komplex mit anderen Unterrichtsmitteln der DDR
In der DDR wurde ab den 1960er Jahren der Versuch unternommen, Unterricht nicht nur auf das Lehrbuch zu stützen, sondern systematisch durch ein vernetztes Mediensystem zu gestalten. Dies geschah unter dem Einfluss kybernetischer und systemtheoretischer Denkweisen, die auch in die Schulpolitik Einzug hielten. Verschiedene Unterrichtsmittel – wie Schulbuch, Filme oder Arbeitsblätter – wurden dabei als Bestandteile eines umfassenden „Unterrichtsmittelsystems“ betrachtet.
Der Fokus lag auf ihrer didaktisch sinnvollen Kombination:
„Der Systemcharakter der sozialistischen Allgemeinbildung, die Auswahl, Anordnung und Strukturierung des Unterrichtsstoffes, besonders aber die angestrebten didaktischen Systemlösungen verlangen auch die Gestaltung und Nutzung dementsprechender Systeme von Unterrichtsmitteln.“
(Topp, 1973, S. 38)
Der Mathematiker und Pädagoge Vladimir Boltyansky lieferte das sowjetische Vorbild: durch wissenschaftlich fundierte, altersgerechte und methodisch konsistente Medienkombinationen sollte der Lernerfolg gesteigert werden. Die „Unterrichtsmittelkomplexe“ der 1970er Jahre verfolgten das Ziel, Unterricht planbarer, effektiver und rationalisierter zu gestalten.
Allerdings war insbesondere der Einsatz von Unterrichtsfilmen in der Praxis mit zahlreichen Hürden behaftet. In einer groß angelegten Studie von Heidemarie Fizia (1977) zu einem Unterrichtsmittelkomplex für den Biologieunterricht stellte sich beispielsweise heraus, dass viele Filme kaum eingesetzt wurden – teilweise mangels Kopien, oft wegen ihrer Länge oder fehlender didaktischer Passung, aber auch wenn Lehrkräfte nicht ausreichend angeleitet oder überlastet waren: „So werden UM eingesetzt, die zwar den physischen Kraftaufwand des Lehrers niedrig halten, aber an der konkreten Stelle des Unterrichtsprozesses ungünstig oder sogar vollkommen ungeeignet sind“ (ebd., S. 283). Insbesondere, wenn die Lehrkraft die methodische Anleitung zum Einsatz nicht beachtete, blieb die gewünschte Wirkung aus: „Das entwickelte Unterrichtsmittelsystem führte ohne Einsatzvorgabe zu keinen bedeutsamen Leistungsunterschieden [...]. Erst die richtige Integrierung der Unterrichtsmittel in den pädagogischen Prozess führt zu echtem Wissenszuwachs“ (Fizia, 1976, S. 7). Diese Herausforderungen führten in den 1980er Jahren zu einem Wandel – weg vom rigiden Systemdenken hin zu einem flexibleren Umgang mit Unterrichtsmitteln.
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Fizia, H. (1976): Untersuchungen zur Gestaltung, zum Einsatz und zur Wirkung eines Unterrichtsmittelkomplexes bei der Behandlung der Stoffeinheit "Sinnes- und Nervenfunktionen" im Biologieunterricht der Klassen 8 der allgemeinbildenden Oberschulen der DDR. Thesen (Diss.). Halle: Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg.
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Fizia, H. (1977): Untersuchungen zur Gestaltung, zum Einsatz und zur Wirkung eines Unterrichtsmittelkomplexes bei der Behandlung der Stoffeinheit "Sinnes- und Nervenfunktionen" im Biologieunterricht der Klassen 8 der allgemeinbildenden Oberschulen der DDR. (Diss.). Halle: Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg.
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Neupert, D. (1979): Entwicklung der Bohne. Berlin: Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der Deutschen Demokratischen Republik, Institut für Unterrichtsmittel.
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Topp, E. (1973): Zur Funktion, Nutzung und Weiterentwicklung der technischen Grundausstattung der Oberschulen der DDR. Berlin: Volk und Wissen.