Bildungs-Mythen über die DDR - Eine Diktatur und ihr Nachleben (MythErz)

Eigene und fremde Bilder. Gelehrt, erzählt, verbreitet

(Projektleitung Frau Prof. Dr. Reh)

Kindheitserinnerungen – Narrative im Erinnerungsdialog von Grundschüler/innen mit alten Menschen aus der DDR

Ziel dieses Vorhabens ist es, Narrative über Kindheiten im Hinblick auf wiederkehrende, möglicherweise typische Elemente, Plots und Figuren, auf ‚Bilder’ über das Erziehungs- und Bildungswesen hin zu untersuchen. Diese im ‚Erinnerungsdialog’ zwischen heutigen Grundschüler*innen und alten Menschen entstehenden Narrative enthalten vielfach Erinnerungen an Erziehungs- und Bildungssituationen. Vor dem Hintergrund der intergenerationellen Funktionsweise des kommunikativen Gedächtnisses (vgl. Pethes 2013, S. 61ff.) analysiert dieses Projekt Stabilität und Veränderbarkeit von Bildungsmythen in einer „generationalen Ordnung“, die zunehmend in den Kontext erziehungswissenschaftlicher Kindheitsforschung gerückt ist (vgl. Heinzel, Kränzl-Nagel & Mierendorff 2012).

In der intergenerationalen Kommunikation über Kindheitserfahrungen (Alexi 2014) werden subjektiv bedeutsame Erinnerungen, die aus gegenwärtiger Perspektive erzählt sind (Moller 2010b), auf spezifische Weisen so weitergegeben, dass Widersprüche zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis entstehen können (vgl. Moller 2011; von Reeken 2009). Neuere Arbeiten (Peuke 2017) zeigen, dass Kinder gerade ihr Wissen über die DDR-Vergangenheit nahezu ausschließlich über mündliche Überlieferung in der intergenerationellen Kommunikation erhalten. Im Projekt werden dabei fachdidaktisch bedeutsame Elemente für ein lebendiges historisches Lernen untersucht.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird mit dem Projekt „Jung fragt alt“ der Projektwerkstatt im Kinderring Berlin e.V. zusammengearbeitet (http://www.jungfragtalt.de/)

Verantwortliche Personen
Fallstudienleitung: Prof. Dr. Pech
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Julia Peuke

Der Mythos naturwissenschaftlicher Neutralität: Der schulische Lehrfilm im Kalten Krieg 

Diese Fallstudie geht der Frage nach, inwiefern in schulischen Lehrfilmen für den naturwissenschaftlichen Unterricht mit der Vermittlung von Fachwissen politisch und pädagogisch nachwirkende Bilder vermittelt wurden. Damit widmet sich die Studie den Mythen von der Neutralität der Naturwissenschaften und des ideologiefreien naturwissenschaftlichen Unterrichts. Im Rahmen der polytechnischen Bildung und vor dem Hintergrund des Kalten Krieges war die Hinwendung zu den Technik- und Naturwissenschaften in besonderem Maße befördert worden. Der nachhaltig gute Ruf der naturwissenschaftlichen Bildung in der DDR scheint einherzugehen mit einem Ausblenden seiner ideologischen Ausrichtung, wie etwa die Nutzung des Physikunterrichts zur Wehrerziehung und politischen Propaganda.

Die Herstellung von Lehrfilmen war in der DDR systematisch und zunehmend verzahnt mit der Produktion anderer Lehr- und Lernmittel, in denen Fachkulturen didaktisch standardisiert repräsentiert waren. Die Lehrfilme waren nicht nur Teil einer spezifischen audiovisuellen Kultur und Speicher intentional geprägter Wissensinhalte und Vermittlungspraktiken, sondern auch in medien- und technikhistorische Wandlungsprozesse eingebunden. Die Analyse wird nicht nur diskursive Referenz-, sondern auch audiovisuelle Verweissysteme in Betracht ziehen. Es werden die filmisch aktualisierten Sachinhalte und Visualisierungsformen sowie die zeitgenössischen Rezeptionsweisen in der Spezifik des naturwissenschaftlichen Lehrfilms untersucht. 

Verantwortliche Personen
Fallstudienleitung: Dr. Kerrin Klinger

 
 

 ‘Bildung für alle‘. Eigen- und Fremdbilder bei der Produktion und Zirkulation eines zentralen Mythos im transnationalen Raum

Die DDR unterhielt ein Programm von weitverzweigten Bildungskooperationen. Anhand deren Analyse fragt das Projekt zum einen, wie sich die DDR-Bildungsmythen nicht nur im (nationalen) Eigenen selbst konstruierten, sondern in Konfrontation mit dem (kulturell) Anderen ihre spezifische Gestalt erhielten. Zum anderen problematisiert das Projekt den für die Erinnerung an die DDR zentralen Mythos des universalen und eines gegenprivilegierenden Zugangs zu Bildung.

Was geschah im Kontext von Bildungskooperationen der DDR mit anderen Ländern hinsichtlich dieser Vorstellung breiter Bildungschancen unter dem Slogan einer „Bildung für alle“? Welche bestätigenden bzw. hinterfragenden Rück- und Wechselwirkungen hatte die Entstehung und Zirkulation solcher Bilder auf das Fortleben dieser Idee und deren Praktiken? Das Projekt bearbeitet diese Fragen transnational-komparatistisch und kontrastiv anhand von drei Fällen: DDR-Mosambik, DDR-Nicaragua und DDR-Finnland. Materialgrundlage bilden Archivquellen, publizierte Zeitzeugenberichte und eigene Zeitzeugen-Interviews (vgl. von Plato 2008). Die Auswertung erfolgt quellenkritisch und kontextualisierend; die Vergleiche werden Austausch und Verschränkung, und somit Transferprozesse, in den Blick nehmen.

Verantwortliche Personen
 
error: Content is protected !!