Bildungs-Mythen über die DDR - Eine Diktatur und ihr Nachleben (MythErz)

DDR-Bildung. Archivierung, Analyse und Aufbereitung

(Projektleitung Frau Prof. Dr. Reh)

 Indoktrinierender Unterricht – Bilder über Fachunterricht in Filmaufzeichnungen der DDR

Seit Beginn der 1970er Jahre wurden in der DDR Unterrichtsstunden von der Humboldt-Universität zu Berlin, der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR sowie den Pädagogischen Hochschulen Potsdam und Dresden aufgezeichnet. Die entstandenen Mitschnitte sollten vor allem der Lehreraus- und -fortbildung dienen. Mehr als 200 dieser Aufzeichnungen blieben bis heute erhalten.

Vor dem Hintergrund von nach 1989 verbreiteten und teilweise zu Mythen verdichteten Erinnerungen an den schulischen Fachunterricht in der DDR (z.B. in pädagogischen Zeitschriften) ist es Ziel des Projektes, mithilfe quellenkritischer Verfahren der (seriellen) videografischen Analyse und videologischen Interpretation die historischen Erkenntnisse über den Schulunterricht in der DDR zu erweitern und zu vertiefen.

Zu den oft reproduzierten und im Sinne Roland Barthes‘ zu Mythen des Alltags(deutsch, 2010) geronnenen Narrativen zählen – neben anderen – die von einem sehr gut strukturierten naturwissenschaftlichen Unterricht in der DDR, von einer größeren ‚fachmethodischen‘ Systematik des disziplinierten Unterrichts oder einer fehlenden kommunikativen Ausrichtung im Russischunterricht. Untersucht werden die Aufnahmen von Fachunterrichtsstunden vorrangig in Physik und Chemie sowie im Deutsch- bzw. Fremdsprachenunterricht. Auf diese Weise können im Ergebnis des Projekts Erkenntnisse über Vorstellungen vom guten Unterricht in der DDR, über die Beziehungen von Unterricht und Gesellschaftsentwicklung in der DDR im Kontext der Ost-West-Auseinandersetzung und über das mythische Weiterleben von Erzählungen über den Unterricht in der DDR gewonnen werden.

Verantwortliche Personen
Fallstudienleitung: Prof. Dr. Sabine Reh und Prof. Dr. Ulrich Wiegmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Carolin Becklas

 

Infrastrukturleistungen, Ergebnistransfer und Verwertung

Im zweiten Teilprojekt wird zum einen ein umfassender Quellenbestand erschlossen und für eine Auswertung in den  Teilprojekten bereitgestellt. Dazu zählen digitalisierte Pädagogische Lesungen, Abbildungen aus Schulbüchern und Archivalien aus dem Archiv der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR (APW). Außerdem berät und unterstützt die BBF die Projektpartner beim Datenmanagement und bei Fragen zum Urheber- und Persönlichkeitsschutzrecht.

Zum anderen wird die BBF die Ergebnisse der verschiedenen Verbundprojekte für Forschende in Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen sowie für Schulen, politische Bildung und öffentlich Interessierte ab Ende 2020 auf einem Online-Portal zur Verfügung stellen, gegliedert in verschiedene Rubriken: Unter der Rubrik „Wissen“ sollen zu verschiedenen Themen virtuelle Semesterapparate mit Fragestellungen und Materialien bereitgestellt werden. Zudem sollen in Form „virtueller Ausstellungen“ Materialien gebündelt und über interaktive Formate Zugänge zur DDR-Bildungsgeschichte angeboten werden, die sich für den Unterricht in den verschiedenen Schularten und Altersstufen eignen. Zusätzlich werden unter der Rubrik „Quellen“ Sammlungen von Quellen entsprechend aufbereitet zur Verfügung gestellt werden – unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsschutz- und Urheberrechte.

Alle diese Angebote setzen nicht nur auf Open Access und darauf, den Nutzenden eigenständige Aktivitäten und Entdeckungen zu ermöglichen, sondern gleichzeitig auf die Reflektion von Mythen und einen historisch bewussten Umgang mit ihnen – weder beschönigend noch verteufelnd.

 
Verantwortliche Personen
Fallstudienleitung: Dr. Stefan Cramme und Dr. Bettina Reimers  
Archivarin: Anja Ludwig (B.A.) 
Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste: Clara Thomasius 
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